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Nach dem überschwänglichen Empfang in Paris wurde mir so richtig bewusst, wofür man sich drei Wochen lang durch Frankreich quält. Die Fans haben uns mit ihrer Euphorie belohnt. Das Wetter war perfekt. Und wir haben unseren sechsten Etappensieg gefeiert. Mit meinem gestern im Zeitfahren und dem heute von Cav hat die Tour auch für mich ein versöhnliches Ende genommen, nachdem meine Ambitionen in der Gesamtwertung früh geplatzt sind.
So einen sprachlosen Co-Kommentator hatten die von der ARD wahrscheinlich noch nie. Am Ende habe ich nur noch gebannt auf den Monitor geschaut und gebangt, dass es für mich reicht. Evans kam zwischenzeitlich auf zwei Sekunden an mich ran. Das hat meine Zunge regelrecht gelähmt. Zum Glück hat es gereicht. Ich bin überglücklich, meine erste Touretappe gewonnen zu haben. Zwei Mal war ich schon Zweiter. Endlich hat es geklappt.
Diese Euphorie der Massen, die schrillen Kostüme der Fans, die Anfeuerungen - heute bin ich zum ersten Mal Alpe d'Huez hoch und es war der Wahnisnn. Bei dieser Riesenparty vergisst man zwischenzeitlich die Schmerzen in den Beinen. Aber leider zwickt mein Rücken auch immer mehr. In den Pyrenäen hatte es schon leicht angefangen und jetzt muss ich immer mal wieder aus dem Sattel gehen, mich dehnen, in dem ich die Hüfte nach vorne schiebe und meine Beine wiederbeleben, die wie taub sind. Nach der Tour werde ich etwas Luft dranlassen und hoffen, dass es wieder weg geht.
Zuerst hatten wir kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu. - Fußball ist zwar nicht meine Sportart, aber heute muss ich Jürgen Werner, der mit diesem Spruch zur Legende wurde, mal zitieren. Gleich in der ersten Abfahrt hat es mich in einer Kurve hingehauen. Keine Ahnung warum. Sind alle gut durchgekommen, nur mir ging das Vorderrad weg.
Ein besserer Feldweg. Mehr war das nicht, wo wir uns heute runterstürzen mussten. Es ist mir völlig unverständlich, wie uns die Organisation so eine gefährliche Abfahrt runterschicken kann. Schmal, kurvig, schlechter Belag. Es gab viele Situationen, in denen gerade so Stürze vermieden wurden. Auch Voeckler hatte richtig Glück, dass er in einer Kurve geradeaus in einen Bauernhof fahren konnte und dass da nicht eine Wand oder ein Abgrund war.
Der Ruhetag gestern verlief relativ unspektakulär. Das wichtigste Thema ist natürlich die Zukunft des Teams. Leider gab es noch keine Entscheidung. Keiner weiß, ob es das Team noch gibt oder nicht. Es wird viel geredet. Viele machen sich Sorgen. Nicht unbedingt die Fahrer. Es gehören ja noch viel mehr zu dem Team.
Unser Sprintzug hat heute schon direkt nach dem Start Formation eingenommen. Wir waren gefühlt den ganzen Tag im Wind. Lars Bak und Danny Pate sind gefahren wie Mopeds. Das ist Wahnsinn, was die beiden hier leisten. Am Ende war es ein langer Sprint, der durch den Rückenwind super schnell wurde.
Nach dem Rennen schwitzen andere. Wenn ich auf der Pritsche liege, beginnt für meinen Masseur die Schwerstarbeit. Während ich entspanne, rinnen ihm die Schweißperlen über die Stirn. Gerade nach einer so schweren Bergetappe wie heute, ist es wichtig, die Muskeln lockern und ausstreichen zu lassen, damit der Stoffwechsel angeregt wird und die Säuren aus dem Gewebe weichen können.
Am schönsten ist es doch bei Mama. - Nach den Strapazen des heutigen Tages hat mich meine Mutter Bettina und ihr Lebenspartner Klaus ganz herzlich im Ziel empfangen. Total euphorisiert haben sie mich in die Arme geschlossen. Das hat nach der Klatsche gestern ziemlich gut getan. Die beiden werden mich jetzt noch bis in die Alpen begleiten.
Das wird mit Sicherheit eine unruhige Nacht für mich. Abgehangen am Tourmalet, neun Minuten Rückstand im Ziel. Das muss ich erstmal sacken lassen. Heute abend im Bett werde ich ein wenig Ursachenforschung betreiben. Noch stehe ich voll und ganz unter dem Eindruck dieser Enttäuschung. Um meine Leistung muss ich nicht drumrumreden.
Cav und Andre schenken sich wirklich nichts. Ich hoffe, für die Fans sind die Sprintduelle zwischen den beiden genauso spannend und nervenaufreibend wie für uns. Meine Arbeit war heute an der Flamme Rouge erledigt. Danach hat Mark Renshaw übernommen und den Sprint perfekt für Cav angezogen.
Nach dem schönen Ruhetag und dem sonnigen Morgen hatten wir uns alle auf eine sommerliche Etappe eingestellt. 30 Grad, kurze Hosen, nix unterm Trikot und keine Regenjacke in der Tasche. Doch 20 Minuten vor dem Start hat uns ein extremer Hagelschauer mit kirschgroßen Körnern bombardiert. Temperatursturz inklusive.
Tooony Maaartin!!! Als ich heute aus dem Hotel kam, wurde ich von ein paar Franzosen empfangen, die mit einer Deutschlandfahne bewaffnet waren und meinen Namen wie im Fußballstadion gegrölt haben. Die Jungs haben echt Stimmung gemacht. Ich fand es bemerkenswert, dass Franzosen einen Deutschen bejubeln.
Heute bin ich einfach nur froh, heil über den Tag gekommen zu sein. Dass ich jetzt vom siebten auf den sechsten Platz vorgerückt bin, ist zwar vom Kopf her eine gute Ausgangsposition, wenn es am Dienstag nach dem morgigen Ruhetag weitergeht. Aber oberste Priorität war, nicht zu stürzen. Ich bin beim Massensturz leicht aufs Knie gefallen. Nicht der Rede wert, im Vergleich zu Winokurows gebrochenem Oberschenkel und van den Broecks Kopfverletzungen und Schulterblattbruch.
Bei der ersten kleinen Bergankunft der diesjährigen Tour hatte ich heute keine Probleme, mit den Favoriten mitzuhalten. Es ging am Ende anderthalb Kilometer hoch und ich habe mich gut gefühlt. Die taktische Ausgangssituation war für uns auch sehr gut. Wir hatten Tejay van Garderen in der Spitze, also keinen Grund die Initiative zu ergreifen.
Massagen sind echt das entspannendste bei der Tour de France. - Außer Cav gewinnt eine Etappe und stürmt jubelnd durch die Zimmer. Dann ist es vorbei mit der Ruhe. Heute war es mal wieder soweit. Aber das nimmt man gerne in Kauf. Die Stimmung im Team ist wirklich super. Nach so einer Etappe ist man wie berauscht von Adrenalin und Glückshormonen.
Die längste Etappe bei der diesjährigen Tour de France begann für mich mit einem Frühstück in ungewohnter Begleitung. 7:30 Uhr zwang mich ein menschliches Bedürfnis aus dem Bett ins Bad. So weit, so unspektakulär. Doch eine Minute nach meinem Toilettengang klopfte es an der Tür: Dopingkontrolle. Kein Blut, sondern Urin. Na toll.
So, wir haben es geschafft. Der Druck ist weg. In diesem unübersichtlichen Finale war heute alles möglich. Zwischenzeitlich habe ich sogar versucht, die Etappe abzuschießen. Ein paar hundert Meter vor dem Ziel haben wir gemerkt, dass Cav etwas zu weit hinten ist. Also hat Gossi hinter mir das Tempo etwas rausgenommen, dass Cav vorfahren kann und ich habe durchgezogen.
Für Finals wie dem heutigem in Mur de Bretagne fehlt mir etwas die Schnellkraft. Die Etappe war einem Klassiker sehr ähnlich. Schmale Straßen, sehr wellig und ein giftiger Anstieg zum Ziel. Am Ende hatte ich acht Sekunden auf den Sieger Cadel Evans. Andy Schleck war auch in meiner Gruppe, dem es also ähnlich geht wie mir.
Bis auf eine Brücke über das Meer, die sehr für Kantenwind anfällig ist, und das Finale war die Etappe heute eher entspannt. Leider war unser Sprintzug für Cav etwas früh dran und alle Anfahrer verbraucht, als es richtig los ging. Unglücklicherweise kam es dann 600 Meter vor dem Ziel noch zu einem Sturz, Cav war dahinter und keiner mehr bei ihm.